Antonymus

Monologe

Hoffnung für die Zukunft – Frauen in der Türkei

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Frauenpower in der Türkei

Der Westen, sowie auch ein Großteil der türkischen Bevölkerung machen die türkische Wirtschaftspolitik für den Aufschwung in der Türkei verantwortlich, dabei sind es hauptsächlich die Frauen, die das Land in Fahrt brachten und modernisierten. Eine polemische Beobachtung.

Andere Länder, andere Sitten. Aber es geht an die Substanz, wenn nach 14 Monaten der Telefonanschluss immernoch nicht richtig funktioniert. Die Herren Techniker, sowie das Management der Türk Telekom in Milas werden sich selbstverständlich darum kümmern – ist doch klar. Bei solcher Selbstverständlichkeit passiert in der Türkei häufig erst mal nichts, denn die Herren haben häufig leider eine große Klappe, aber wenn es ans TUN geht, müssen die Frauen ran: in 20 Minuten war der „Kas‘ bissen“, wie wir in der Türkei zu sagen pflegen, als Hulya das 14-Monate andauernde Problem bearbeitete.  Ein Einzelfall? Gewiß nicht.

Ein Blick zum Nachbar in den Garten genügt: die Frau schuftet, während der Göttergatte mit seinem Gebetskettchen spielt und kluge Ratschläge verteilt, was widerum keinen interessiert, außer vielleicht den Nachwuchs, der den Worthülsen des Patrons noch glauben schenkt; Frauen nehmen Männer häufig -zurecht- ohnehin nicht ernst, nicht nur in der Türkei, aber dort umso berechtigter.

In ländlichen Gebieten kann man beobachten, dass Pascha auf dem Esel sitzt, während Aischa nebenherläuft. Aber Aischa hat schließlich mehr Übung, ist gut durch trainiert, denn auf dem Acker hat sie mit den Geräten hantiert, während Pascha die Wasserzufuhr für die Felder regelte. Ganz selbstständig hat er dies gemacht. Bravo. Und wie stolz er dabei aussah?!

Die Arbeitsteilung der Familie Yilmaz geht uns aber nichts an. Anders verhällt es sich jedoch auf Behörden, denn dort werden wir mit dem Gockelgehabe direkt konfrontiert. Pech für uns, dass Pascha dort alleine sitzt, ohne seine Frau, die unser Anliegen in Windeseile wuppen würde; oder vielleicht nicht in Windeseile, aber zumindest in einem überschaubaren Zeitfenster.

Solche Beobachtungen kann man in der ganzen Türkei machen und nach zahlreichen Gesprächen (auch mit Männern), muss es auch mal offen ausgesprochen werden: der traditionell-festgefahrene Mann ist in der Türkei die größte Gefahr für die Wirtschaftsentwicklung. Für die Gesellschaft ist er es ohnehin.

Der Gockel hat in Zeiten der künstlichen Befruchtung ausgedient.

Unternehmen haben längst erkannt, dass sie vermehrt Frauen an die Servicefront bringen müssen, sofern sie mit dem Westen mithalten wollen. Aber auch der türkische Kunde, und hier vor allem die Kundinnen, lassen sich mit selbstgefälligem Geschwätz nicht mehr einfach so abwimmeln.

Heutzutage fordern sie ihre Rechte ein, vor Gericht, wie auch im Supermarkt. Kuschen war einst. Das neue Selbstbewußtsein beschränkt die Macht der Fauen nicht mehr nur auf Haus und Hof, sondern sie übernehmen allmählich, und recht unauffällig die Regentschaft in Unternehmen, zwar noch nicht auf Augenhöhe mit Pascha, aber letzterer hat begriffen, dass Frauen in vielen Bereichen mittlerweile die tragenden Fundamente sind.

Es sind die Frauen, die den Männern zeigen, dass Obrigkeit auch etwas mit Hilflosigkeit zu tun hat. Es ist geradezu grotesk, wie der Gockel sich einem höher gestellten Gockel gegenüber verhällt. Die Frauen helfen den Männern sich von ihrem Joch zu befreien. Von der Frauenpower werden in großem Maße Männer profitieren.

Die Türkei verdankt den Aufschwung den Frauen, und nicht etwa einer Partei. Möge ihnen Allah zur Seite stehen, wenn sie dem Orient ein neues, professionelles und liberaleres Image verpassen, während Pascha von all dem nichts mitbekommt, da er selbstverliebt mit seinem Spiegelbild beschäftigt ist. Umso klüger der Gockel, desto schneller räumt er seiner Frau den Weg frei.

Glauben, ohne Adressat

Glauben

Glauben

Den einen Moment, der für meinen Glauben ausschlaggebend war, in der Vergangenheit zu suchen ist möglich, jedoch mühselig und im Grunde trägt er nicht viel zur Sache bei. Ein Moment eben. Einer von Vielen und erst in der Gesamtheit ergibt sich ein Bild, meinetwegen auch Sinn.

Um es vorwegzunehmen, ich bin gläubig. Ein gläubiger Mensch ohne weitere nennenswerte Eigenschaften. Ich glaube weder an den Papst, noch an seine Kirche und obwohl mir die anderen Buchreligionen nicht fremd sind und ich im Orient lebe, und den Islam, wie auch andere Glaubensrichtungen achte, bin ich bestenfalls über deren Inhalte amüsiert. Doch langsam, ich möchte nicht arrogant sein, oder gar eine neue Religion verkünden. Nein, ganz gewiss nicht.

Mein Versuch etwas zu erklären, das permanent in aller Munde ist, das grassiert und über die Wiesen hoppelt, ohne sich richtig im Erdreich zu festigen ist ein egoistischer Versuch Gott und Welt zu erklären. Nicht mehr, doch vermutlich ausreichend. Heute. Einen Tag vor Heiligabend. Na, denn.

„Es liegt einzig und allein an der Präposition“, sagst du?

Ja, genau das, sage ich.

Der „Glaube an“ etwas ist irreführend, denn das Subjekt benötigt ein Objekt. Doch wozu braucht der Gläubige ein Gegenüber? Einen Gott? Eine Religion? Gar einen Menschen, Guru, Yogi oder Heiligen? Lassen wir die Präposition weg, kommen wir dem Himmel näher, wobei auch dieser nur stellvertretend ist, für etwas, das keinen Namen braucht.

Glaube ist eine Gewissheit, ein tief verankertes Vertrauen. Und auch hier ist es unnötig eine Verbindung zu etwas zu suchen. Vertrauen kann für sich stehen, wie auch der Glaube, die Liebe und die Hoffnung.

Diese drei theologischen Tugenden sind keine Handlungsvorschriften, sondern eine innere Einstellung. Der Glaube steht wie auch die Liebe und die Hoffnung für sich. Es ist sogar irreführend an etwas zu glauben, denn dies impliziert, dass ich an etwas anderes nicht glaube. Hierauf fußen meiner Meinung auch die religiösen Tragödien, die als Kriege die Welt erschüttern.

Über die Liebe wird am heftigsten debattiert. Die Ehe oder Partnerschaft gilt als Synonym. Und hier wird der Irrglaube am Deutlichsten, denn solange Liebe an einen Menschen gekoppelt ist, bleibt sie brüchig, oder der Mensch, der diese Terminologie benutzt betrügt sich selbst. Denn auch die Liebe ist immer und überall vorhanden. Wir sehen oder fühlen sie nur nicht immer und überall. Die Kopplung an einen Menschen ist genauso absurd, wie der Hang zu Geld, oder Dingen, die nicht wirklich zum Glück beitragen.

Diametral finden wir den Zweifel. Unser Verstand versucht uns die Liebe ein- bzw. auszureden, je nachdem in welcher Phase des Lebens wir uns befinden. Er sucht Argumente, die für oder gegen etwas stimmen. Der Zweifel versucht uns wie ein hartnäckiger Teufel auf eine Fährte zu locken. Die Bilder aus den Buchreligionen sind bekannt und hierfür schätzte ich die Bibel beispielsweise. Aber sie ist sonst eine schlechte Beraterin, wenn es um Glaubensfragen geht.

Wer an die universelle Liebe glaubt, muss sie nicht immer und überall spüren, denn solch ein Perfektionismus ist kontraproduktiv. Begnügen wir uns doch einfach damit, dass sie gelegentlich „da“ ist. Sie braucht keine schöne Blume, oder sonst was, um sich zu entfalten. Manchmal spürt man sie auch mit geschlossenen Augen, inaktivem Verstand und ansonsten auch völlig leerem Moment.

Meine Hoffnung ist dazu da, dass sich diese Momente häufen, dass das Leben dichter wird, bis vielleicht irgendwann die Präsenz der Liebe alles andere nebensächlich erscheinen lässt. Der Glaube vermittelt mir diese Gewissheit.

Abschließend möchte ich noch erwähnen, wie ein Dialog innerhalb des Glaubens stattfinden kann. Dazu genügt ein kleines unscheinbares DANKE. Die Danksagung ist das wichtigste Vehikel um den Glauben zu manifestieren. Und nur so am Rande: was als Feedback zurückkommt ist Gott😉

[Antonymus // CC BY SA 2.0 DE]

Keine Macht der Freiheit

Freiheit hinter dem Zaun

Foto: Freiheit in Sicht | Autor: Antonymus | Lizenz: CC BY SA

Bürgerrechtler wollen mehr Freiheit, während die regierende Opposition auf Sicherheit setzt. Am Ende kann sich nur der Überwachungsstaat durchsetzen, da der Liberalismus den Menschen zuviel Verantwortung abverlangt.

Machen wir uns nichts vor, die Diskussion um die Netzpolitik und Überwachung ist ganz unterhaltsam, jedoch völlig zwecklos, denn die wichtigsten Tatsachen werden ignoriert. Das Volk ist wachsam und hat die Mogelpackung erkannt. Sie kommen dir mit Freiheit und am Ende musst du Verantwortung übernehmen: nein Danke. Nicht mit mir.

Derweil überlegen die kreativen und freiheitlich orientierten Menschen, welcher genetische Defekt, bei all jenen vorliegt, denen der NSA Skandal, die Abhöraffären und der Datenschutz als Komplettpaket am Hintern vorbei schrammt. Und wenn es keine biologischen Ursachen hat, womit ist diese Naivität begründet?

Dabei sind die Bürger weder naiv, noch müssen sie im Genlabor umprogrammiert werden. Sie wollen ihren sicheren Arbeitsplatz und möglichst keine Überraschungen. Die Spannung oder das Abenteuer finden im Urlaub statt. Im Alltag muss es geregelt zugehen und wer eignet sich besser, als Angela Merkel an der Spitze, um diese Wünsche erfüllt zu bekommen?

Auf die Union ist Verlass. Sie wird bei den Menschen jegliche Zweifel beseitigen. Mutti macht das schon, mach du nur ein Kreuz; schau: hier. Die Revoluzzer wählen hingegen die SPD, denn auch von dieser Partei sind keine allzu großen Gefahren oder Überraschungen zu erwarten.

Der Drang nach Stabilität und Sicherheit ist in uns Menschen sehr stark verankert, umsomehr wenn wir eine intakte Familie haben und somit viel auf dem Spiel steht. Es ist leichtfertig oder gar verantwortungslos dieses Kokon zu verlassen, um sich einer ungewissen und gefährlichen Welt auszusetzen.

Bei Freiheit handelt es sich, wie bei der Sicherheit um sehr trügerische Begriffe. In der Realität gibt es weder das Eine noch das Andere im Rundum-Sorglos-Paket ohne Nebenwirkungen – dies wird jedoch von den Befürwortern fälschlicherweise propagiert.

Fairerweise, oder um sachlich zu bleiben, müsste zumindest am Rande erwähnt werden, dass das Leben einerseits unsicher bleibt, andererseits keine absolute Freiheit bietet. Konkreter, ja das Leben ist gefährlich und in der Gesellschaft gilt es die Abhängigkeiten abzuwägen.

Der Trend geht zwar in Richtung Abenteuer und Befreiung, allerdings haben uns sämtliche Regierungen seit dem Wiederaufbau Deutschlands auf die Sicherheit fixiert, und das Resultat sitzt lieber abends auf der Couch, als sich mit Snowden und der NSA zu beschäftigen.

Die Regierung bedient lediglich die Wünsche und Bedürfnisse der Menschen und die Sicherheit bleibt das stärkste Kaufargument bei Wahlen. Diesen Prozess umzukehren und nun für weniger Sicherheit und mehr Freiheit zu werben wäre an sich schon revolutionär.

Nichtsdestotrotz wäre es machbar. Hierfür müssten die Regierungsvertreter jedoch auch ihr Kokon der Angst verlassen, was sich leicht daher sagt.

[Antonymus // CC BY SA 2.0 DE]

Hetze gegen Hoeneß – das Urteil vor dem Prozess

Uli Hoeneß

Foto: Uli Hoeneß | Quelle: Wikipedia | Autor: Александр Корчик

Hängt ihn, hieß die Forderung der Bevölkerung bei Pferdedieben im wilden Westen. Solange es noch Bäume gibt, würde Mehmet Scholl vielleicht noch schelmisch hinzufügen, obwohl es schwerfällt bei dieser Debatte nach Humor zu greifen, denn die Anklage ist zu ernst, als dass sie sich für Späßchen und Scherze eignet.

Hoeneß steht zurecht am öffentlichen Pranger. Er hat wenige Möglichkeiten ausgelassen laut zu poltern und seinen Gegnern Schmerz zuzufügen. Er war stets bemüht dort hinzutreten, wo es richtig weh tat, in die Weichteile der Kontrahenten und wenn sie sich wehrten wurde nochmal nachgetreten. Das Motto, immer feste drauf, diente  hauptsächlich seinem Verein, dem FC Bayern und weniger der Person Hoeneß.

Dies ist in der aktuellen Debatte jedoch zweitrangig. Endlich! Wie lange hatte es gedauert, bis ihm Journalisten zurückzahlen konnten, was ihnen schon Jahrzehnte unter den Fingernägeln brannte? Nun ist der Zeitpunkt endlich gekommen. Die Gerechtigkeit dem Geduldigen, der ausharrte bis zum Jahr 2013, der Selbstanzeige des FC Bayern Managers wegen Steuerhinterziehung.

Es wird aus allen Gazetten geschossen, dass man sich dankbar wägen muss, nicht in der Nähe des Geschehens zu weilen. Querschläger sind dabei weitaus gefährlicher und somit steht der Verein unter Spannung und die Verantwortlichen können nur hoffen, dass dieses Sturmfeuer irgendwann aufhört. Dabei wäre es so einfach, sich diesem Ansturm zu entziehen. Uli Hoeneß mag mächtig sein, aber für die Allmacht reicht es nicht, auch nicht beim FC Bayern.

Die Trittbrettfahrer der gegnerischen Vereine, gleich ob Fans oder Führung kommen, wie die anderen Gepeinigten endlich auch auf ihre Kosten. Hat Hoeneß ihnen doch die Laune so häufig genommen und die Pokale vor der Nase weggeschnappt; nun ist endlich payback time. Auf in den Kampf und immer feste drauf, so wie Hoeneß es jahrzehntelang vormachte.

Den Menschen Hoeneß von dem Verein zu trennen ist im Grunde unmöglich. Uli Hoeneß ist die rot-weiße Manifestation; der FC Bayern denkt Hoeneß, der FC Bayern spielt Hoeneß, der FC Bayern ist Hoeneß. Dies wissen natürlich sämtliche Akteure, die nun die Keule schwingen. Es reicht nicht, dass Herr Hoeneß sich vor dem Gericht verantworten muss, denn ein inhaftierter Hoeneß, gleich für welchen Zeitraum er die Freiheit entzogen bekäme, befriedigt die Gegner nicht.

Sie wollen mehr, denn es ist scheinbar schwierig diese Erfolgsgeschichte des Fußballs zu ertragen. So ist das eben in Deutschland. Erfolgreiche Menschen stehen immer am Abgrund und die Meute dahinter wartet geduldig auf den Tag, an dem sie ihren verhassten Schützling endlich den Abhang hinunter stoßen können. Hängt ihn!

Ziel des Shitstorms ist, Hoeneß vom Verein zu trennen. Dies ist das ultimative Ziel. Eine Haftstrafe wäre lediglich ein Bonbon für erlittene Demütigungen. Nur die Abkopplung des FC Bayern von seinem Erfinder ist die angemessene Strafe. Dann wäre das Werk und die Person Hoeneß endlich zerstört. Von der Zehe bis zur Haarwurzel. Die Demontage des Schwaben in seine Bestandteile.

Als Fan und als Mensch habe ich kein Mitleid, lediglich Mitgefühl. Der Preis der Macht und des Erfolges sind immer hoch. Dies wissen Menschen vom Schlage Hoeneß. Es wird ihn nicht wundern, was das Publikum fordert, aber er darf überrascht sein mit welcher Vehemenz sein Kopf gefordert wird, denn diese Entwicklung ist seit es die sozialen Medien gibt noch beängstigender geworden.

Rationale Argumente gehen in der Causa Hoeneß mittlerweile vollkommen unter. Was hat es die Leute zu interessieren, wie der FC Bayern mit seinem Personal verfährt? Es werden Parallelen zum Fall des Limburger Bischofs deutlich, wo die aufgebrachte Masse überall Forderungen stellt, um eine seltsame Lust zu befriedigen? Auch hier liegt es an der katholischen Kirche, wie sie damit umgeht und der Rest wird vom Gericht geklärt. Wenn die Gläubigen der Kirche den Rücken kehren, weil sie die Entscheidung der Kirche nicht akzeptiert: bitte, Reisende soll man nicht aufhalten.

Aber die Henker werden sich irgendwann die Frage stellen müssen, ob sie um so vieles besser sind, als diejenigen, die sie zum Teufel jagen? Auch die gläubigen Fans stehen vor wichtigen Fragen, wobei sich viele wie Liebende verhalten. Sie wissen von ihrer Fehlbarkeit. Sie wissen auch von der Fehlbarkeit ihrer Geliebten. Deshalb stehen sie in guten wie in schlechten Zeiten zu ihrem Verein, dem FC Hoeneß.

Die Henker belächeln dieses Verhalten. Gnade und Vergebung kommt in ihrem Vokabular scheinbar nicht vor. Die Befriedigung des aktuell primären Bedürfnisses geht vor.  Ob die Verantwortlichen wissen, was es bedeutet den Volkszorn zu schüren?

[Antonymus // CC BY SA 2.0 DE]

Ströbele in Moskau

Ströbele

Foto: Ströbele – Im Dienst der Demokratie  | Quelle: Wikipedia | Lizenz: CC BY SA 2.0 DE

CHAPEAU. Meine Verbeugung. Meine Hochachtung. Es gibt sie tatsächlich. Politiker, die nicht nur reden, sondern das Heft in die Hand nehmen, um die Demokratie im Großen, oder die Welt im Kleinen zu retten.

Es könnte ein, oder vielmehr sein ganz großer Wurf werden. Während Snowdens Rechtsanwalt gestern noch verkündete, dass der Whistleblower für keinerlei Auskünfte zur Verfügung steht, machte Ströbele sich mit ein paar hochkarätigen Journalisten der Süddeutschen Zeitung und des ARD-Magazins „Panorama“ auf den Weg nach Moskau.

War der Coup von langer Hand vorbereitet? Es scheint so. Das nichts davon an die Öffentlichkeit kam zeugt von Professionalität und Unbestechlichkeit aller Beteiligten. Somit haben sie jetzt schon viel für die Demokratie getan, denn die Botschaft lautet. Die Politik kann, wenn sie mutige Akteure hat, die ein breites Kreuz für Bürgerrechte und die nötigen Eier haben, um zu tun, was getan werden muss.

Snowden wisse sehr viel, gab Ströbele gestern bekannt. Eines der wenigen Details, die aus dem gestrigen Coup bekannt wurden. Die Vermutung liegt nahe, dass der ehemalige Geheimdienstmitarbeiter nicht nur informiert ist welche Politiker abgehört wurden, sondern auch Inhalte kennt. Zumindest liegen ihm Profile oder Dossiers vor, die die NSA regelmäßig erstellt, um den amerikanischen Politikern auf die Sprünge zu helfen. Wer ißt in Deutschland gerne Gemüse und welche Parteien sind linientreu?

Warum Snowden sich für Ströbele entschied ist bisher nicht bekannt. Aber es zeugt von Stil, der regierenden Partei, samt der großen Koalition den Rücken zu kehren und stattdessen mit dem Altgrünen das Gespräch zu suchen. Ströbele gehört nicht zu den Wendehälsen und Quacksalbern, von denen Deutschland mit ihrem verlogenen Politsprech erdrückt wird.

Ströbele spielt, wenn ich den Blick über die politische Landschaft schweifen lasse, in einer eigenen Liga. Sein Engagement und seine Geradlinigkeit sind der Beweis, dass es sich lohnt den Glauben an das Gute in der Politik nicht zu verlieren.

Er hat sich mit dieser Glanzleistung ein Denkmal gesetzt. Dies gönne ich ihm, und ich hoffe, dass die denkmalfeindlichen Genossen seiner Partei keine Gründe finden, um sein aktuelles Werk zu beschmutzen.

Deutschland braucht mehr Ströbeles, wobei ich aktuell auch schon für den Einen, sehr, sehr dankbar bin. Je oller, je doller – gilt scheinbar auch in der Politik.

[Antonymus // CC BY SA 2.0 DE]

Yes, we leak

Der Aufschrei und die Entrüstungen im Zusammenhang mit dem Kanzlerinnen Handy und den torpedierten Bürgerrechten sind groß, und die Sicherheitsdiskussion führt am Thema vorbei.

Deutschland schreit nach Gerechtigkeit. Wir werden ausgespäht, hintergangen und von unseren Freunden systematisch hinters Licht geführt. Freunde, das sind angeblich die Amerikaner, heißt es, oder hieß es, denn unser Innenminister, Herr Friedrich, fand gerade deftige Worte, ungewöhnlich harsche Formulierungen. Er droht mit juristischen Maßnahmen, da es sich eine Straftat handelt, womit er zwar Recht hat, aber vor der Wahl wurde dieses Unrecht geduldet, oder zumindest stillschweigend hingenommen.

Aber scheinbar hat Frau Merkel auf den Putz gehauen „so, nicht“, „nicht mit uns“ und wenn wir es auf den Punkt runter brechen hat die Entrüstung lediglich etwas mit dem Merkelschen Ego zu tun, als mit politisch verantwortungsbewusstem Handeln. Wie dem auch sei, mit der CSU hat Frau Merkel gute Poltergeister als Partner, die sich jederzeit, und jetzt gerade im Besonderen, vorzüglich einsetzen lassen, um das EGO wieder herzustellen.

Also wird geschimpft und mit dem Finger wild gestikuliert und selbstverständlich kriechen sofort auch die Sicherheitsexperten aus ihrem Loch, um die Sicherheitsaspekte zu erläutern. Ein jeder versucht von dem Happen runter zu beißen.

Sachlich betrachtet sind die Geheimdienste nicht das Problem, sondern die Vertuschung der dort gesammelten Erkenntnisse. Würden sämtliche nachrichtendienstliche Information offen kommuniziert, wäre die Abschreckung politischen Unfug zu vertuschen weitaus größer, als wenn es in dunklen Kammern in geheimer Mission diskutiert wird.

Alternativ könnte zur Diskussion gestellt werden, ob Deutschland noch einen Geheimdienst braucht, denn es ist immer tugendhafter selbst Änderungen vorzunehmen, als Partnern vorzuschreiben, was sie tun oder lassen sollen. Der Atomausstieg war ein guten Anfang. Nun kann die Reise weitergehen. Wobei Geheimdienste für die Bürger durchaus nützlich sein könnten.

Man stelle sich nur vor, alle Geheimdiensterkenntnisse werden geleaked. Was wäre es für ein Fest zu erfahren, dass beispielsweise die ganze große Koalition schon vor der Wahl beschlossene Sache war, was lediglich von den Wählerinnen und Wählern bestätigt werden musste?

Offener Tabak in der Türkei

Tabakverkauf in der Türkei

Tabakverkauf bei Bodrum | Lizenz: Creative Commons 3.0 | Autor: Antonymus

Das waren noch Zeiten, als wir uns noch keine Horrorbilder beim Tabakkauf anschauen mussten.  Die gute Nachricht, diese Zeit ist noch nicht vorbei, zumindest nicht in der EU freien Zone Türkei. Für den Gegenwert eines Kilos Tabaks kann man in der EU 1.5 Päckchen Halfzware kaufen, somit wird der Krebs oder das Raucherbein wesentlich erschwinglicher.

Opferfest Türkei

Türkisches Weisbrot

Türkisches Weisbrot | Creative Commons by_sa | Autor: Antonymus

Dieser Tage findet in den islamischen Ländern das Opferfest statt, während die EU vor ihren Grenzen Menschen abweist. Ein Vergleich der Kulturen.

Mein Nachbar hat gut lachen, wie ich an seiner Kordel erkenne. Er hat den Zuschlag für ein Schaf bekommen und holt das Opfer nun vom Bauern ab. An den verkauften Tiere hängt ein Stück Schnur, während der Käufer die andere Hälfte bei der Abholung vorzeigt. Am Abend kommt seine Frau und überreicht mir einen Teller.

Sie sagt stolz „ET“, im türkischen für Fleisch. Die Fischerfamilie stammt ursprünglich von der Schwarzmeerküste. Dort wurde es ihnen zu eng, zudem versprach die Ägäis weltoffener zu sein. Praktisch für Kurden. Einmal pro Jahr fahren sie mit dem Auto „nach Hause“ zur Familie, da fliegen zu teuer ist. Die Fahrt dauert über 40 Stunden und der Fischer wird in Ordu Frau und Kinder zurücklassen, denn niemand zahlt ihm seinen Arbeitsausfall. Urlaub hat er noch nie gemacht, und er fragt mich warum. Warum Menschen irgendwo hinfahren, wo sie niemanden kennen, Ismail kann sich das nicht erklären, zudem hat er aber auch kein Geld für solche Extravaganza. Er ist sparsam, aber der Familie fehlt es an nichts, wenn ich dies über Gartenzaum richtig beurteilen kann. Die Ersparnisse des laufenden Jahres stecken nun in diesem jungen Schaf.

Es wird gedrittelt, ein Teil für Freunde und Bekannte, ein Teil für die Armen und Bedürftigen und das restliche „schlechtere“ Drittel ist für seine Familie bestimmt, so will es der Brauch. Er hat es auch heuer wieder geschafft, zu geben, was im Orient ein enorm wichtiges Statussymbol ist. Fleisch ist in der Türkei, wie in den angrenzenden muslimischen Ländern exorbitant teuer.

Geben ist seliger als Nehmen, meint nicht nur der Volksmund, sondern auch die moderne Glücksforschung. Der Fischer, um ihn nochmal zu bemühen, füttert das ganze Jahr über auch die umliegenden Straßenhunde und Katzen. Er beobachtet mit einem Lächeln von der Veranda aus seinen Sohn, wie er die wilden Tiere versorgt. Seine Frau sieht mit gemischten Gefühlen zu, denn die Tiere verunstalten ihren Garten regelmäßig, meint aber, ihnen bleibt keine andere Wahl, denn die Tiere haben Hunger. Über den Sommer wurden sie von den liebesbedürftigen Touristen fett gefüttert, warfen kurze Zeit später und im Winter hat hier jedes bewohnte Haus einen Privatzoo. Wie dem auch sei, die Tiere haben Hunger und Gott gab uns schließlich auch.

Wenn sich an den türkischen Grenzen Flüchtlingsdramen ereignen, wie aktuell in Syrien, geht der Staat an seine Grenzen und baut Zeltstädte, füttert und verarztet, denn es sind Brüder und Schwestern, die nebenan verrecken. Es wäre ein Gesichtsverlust Sondergleichen nicht zu geben, oder gar nachgesagt zu bekommen, die Menschen seien nicht satt geworden. Gebe, wenn du gaben kannst, und den Rest erledigt Gott, heißt es.

In den letzten Wochen habe ich sehr intensiv die Reaktionen verfolgt im Kontext von ertrinkenden Flüchtlingen vor Lampedusa. Die Kommentare mit ablehnender Haltung bekamen den höchsten Zuspruch. Diese Meinung wurden bis zum Erbrechen geliked, während die Anderen, die deutlich für das Geben plädierten, mit aggressiven Antworten, Zahlen und Statistiken rechnen mussten. Mein Nachbar würde zu diesem Thema nichts sagen, sondern nur lächeln. Es wäre kein seliges Lachen, sondern eher Mitgefühl, mit denjenigen, die sich es nicht leisten können zu Geben.

Die Glücksforschung hat weiter ermittelt, dass neben dem Geben, auch das soziale Verhalten und Empathie in großem Maße zur Zufriedenheit beitragen. Depressionen und Ängste sind bei dieser Gruppe anscheinend auch selten anzutreffen, weshalb Tiere auch keine Psychoanalytiker brauchen, denn wenn ihr Bauch voll ist, lassen sie den Rest vom Braten liegen, auch wenn sich das feindliche Rudel daran satt frisst.

Sex sells – auch auf taz.de

taz.de

Der Sommer ist vorbei, schön wars und nun kümmere ich mich wieder um politisch korrekte Dinge, schließlich war im Urlaub keine Zeit für depressive Themen. Steuere zielstrebig auf taz.de zu, weil ich hoffe dort das Passende zu finden und schon wieder wieder ich zugesext.

Die Top Stories des Tages:

Naiv und kontrolliert

Als hätte man’s geahnt: Die barbusigen Aktivistinnen unterstanden einem Mann. Was bleibt noch von ihren Aktionen gegen Prostitution?

Päderastensex, amtlich genehmigt

Berlin, Ende der 60er Jahre: Der Senat vertraut Straßenkinder pädophilen Männern an. Heute will niemand mehr etwas davon wissen.

Halbnackt in der Fremde

Was haben Urlauber eigentlich in ihren Koffern? Am Mittelmeer tendiert der Tourist an sich zur Textilfreiheit. Das finden viele nicht gut.

Fuck die Henne!

Einmal im Monat treffen sich taz-Mitarbeiter und Gäste zum Daddeln an der Konsole. Diesmal: Nichts als Sport an einem besonderen Ort.

Was ist mit der taz los? Besoffen? Krank? Noch im Urlaub? Oder business as usual?

Die Kollaborateure

Es wird langsam Ernst. Unsere Demokratie ist in Gefahr. Das Presserecht, die freie Meinungsäußerung und der Rechtsstaat im Allgemeinen befinden sich in akuter Notlage und während die aktuelle Bundesregierung die Entwicklungen schön redet oder ausblendet, beschäftigen sich die Oppositionsparteien mit, ja, mit was eigentlich?

Peinlich ist es nicht, wenn Kanzleramtschef Pofalla, die Gemüter beruhigt und verkündet, dass mit den Amerikanern alles Paletti ist, denn schließlich ist es sein Job solche Behauptungen aufzustellen. Ja, er mag zwar Lügen, oder es nicht so genau mit der Wahrheit meinen, aber was solls. Überlassen wir das Nörgeln den Anderen. Lassen wir den Nachwuchs die Drecksarbeit machen, denjenigen die Sitzblockaden vor irgendwelchen Sicherheitsgipfeln veranstalten und dann gegen Ende des Abends weggetragen werden. In den Nachrichten erfahren wir das Übliche: es waren Gegner von Irgendwas.

Was genau passiert ist, ist zweitrangig, denn es folgt der Samstagskrimi und danach die Sportreportage und im Eisschrank liegt noch leckere Eiscreme.

Selbstverständlich gibt es Menschen, die sich für die Geschehnisse in der Welt interessieren und es sich auf ihrer Couch nicht sofort gemütlich machen. Sie schauen nach Ägypten, oder fragen nach, was es denn mit den Unruhen in der Türkei auf sich hat. Aber bei uns ist Gott sei Dank nach wie vor alles in Ordnung. Das meint auch die Kanzlerin im Sommerinterview.

Passt schon, röhrt es aus Bayern und die bürgerliche Variante unserer Parteienvielfalt hat den Gemüse Tag entdeckt, wobei die wenigsten grünen Politiker auf Empfängen Müsli in sich rein schaufeln, aber wollen wir auch hier nicht zu genau hinsehen, denn wenn wir sämtliche Lügner entlarven, bleibt nur noch die Kommunikation mit dem eigenen Hund.

Die Bequemlichkeit kann einem jedoch vergehen, wenn sich Fakten zu sehr verdichten. Wieso wird einer Person wie Snowden, der versucht Wahrheit ans Licht zu fördern, in sämtlichen Demokratien der Aufenthalt verwehrt? Wieso wird in England eine angesehene Zeitung vom Geheimdienst bedrängt, trotz Pressefreiheit und freier Meinungsäußerung? Wieso braucht es in Deutschland hartnäckige Journalisten um einen Mann aus der Psychiatrie zu befreien, der zuvor Korruption und somit Verbrechen aufdeckte; haben wir keine anderen Institutionen, die sich um solcherlei Angelegenheiten kümmern?

Womöglich alles nur Zufälle und die Angst vor Ausspähungen ist vielleicht tatsächlich unbegründet, nur wäre es dann nicht auch notwendig diesen Auffälligkeiten auf den Grund zu gehen? Warum die Regierung hier nicht tätig wird, weiß vermutlich nur die Regierung, aber müsste nicht wenigstens die Opposition in die Bresche springen?

Weit gefehlt. Es schleicht mittlerweile das lähmende Schreckgespenst große Koalition durch die Gänge. Solch eine Regierung könnte die systematische Plünderung der Demokratie manifestieren. War die Einigkeit in Sachen Euro Rettungsschirm ein Testlauf, könnte nun die Kür folgen.

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