Asyl für Julian Assange

von A.P.

Großbrittanien gerät ins Fadenkreuz der weltweiten Netzgemeinde, die ihren Held Julian Assange nach wie vor feiert, wenn auch etwas verhaltener, als zu Beginn des WIKILEAKS Hipes. Ein paar Gedanken über den bisherigen Werdegang des Netzaktivisten.

Mit WikiLeaks bekamen wir wieder Hoffnungen, dass die Lügen der Mächtigen und ihren Handlangern enttarnt würden, was etwas mehr Demokratie und weniger Politikverdrossenheit zur Folge gehabt hätte. Als die Bemerkungen ranghoher Attaches publik gemacht wurden, waren wir nicht wirklich entsetzt, über den Sprachgebrauch und die Denkmuster der Politiker und Diplomaten, sondern wurden in unseren Vermutungen bestätigt. Danke Julian, gut gemacht.

Heute bekommt das Image des jungen A. Kratzer. Er steht in Schweden unter Anklage, wird in Großbrittanien festgehalten und Equador zerrt an einem weiteren Rockzipfel. Und wieder geht es um internationale Diplomatie. Seltsam auf welche Art sich Kreise manchmal schließen?

Die USA und ihre Verbündeten gehen mit ihren Feinden in der Regel nicht zimperlich um. Solange der Held der Netzgemeinde in Großbrittanien ist, hat das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, unproblematischen Zugang zum Umstürzler Assange. Aktuell scheint keine Rolle zu spielen, dass der Mann noch nicht verurteilt wurde und die Frage, ob er sich überhaupt der Vergewaltigung schuldig gemacht wurde können wir zur jetzigen Stunde nicht beantworten und ob die Wahrheit zu einem späteren Zeitpunkt ans Tageslicht kommen wird, steht ebenfalls in den Sternen.

Was wir jedoch wissen, Assange wurde zum Feinbild der Herrschenden durch seine Enthüllungsplattform und nun wird ihm eine andere Enthüllung zum Verhängnis. Auch hier schließt sich wieder ein erstaunlicher Kreis. Wir können ebenfalls mit gesunder Ungewißheit und einer Portion Lebenserfahrung vermuten, dass Herr Assange einige Baustellen hat, wie wir alle, die unter dem Teppich besser aufgehoben sind, als auf der Titelseite der Bild-Zeitung.

Duch WikiLeaks erlangte der Gründer weltweite Anerkennung und Verachtung, wobei letzteres nur die Schattenseite des Ersten ist. Weltweite Beachtung steigert das EGO und füttert den Selbstwert. Endlich war er angekommen, in der Welt der Who is Who’s und nun muss er sich der Verantwortung stellen, oder der Tatsache, dass Ruhm eine nicht zu unterschätzende dunkle Seite hat.

Die Kreise schließen sich immer und auf jede Aktion folgt eine Reaktion, so will es die Natur. Wer mit dem Feuer spielt muss sich nicht wundern, wenn er dabei selbst verbrennt.

Gleich wie es um den Mann weiter geht. Ich wünsche mir auch in Zukunft viele Assanges und Projekte wie WikiLeaks, obwohl ich persönlich nicht bereit wäre, die Zeche zu zahlen. Die klingt nicht feige, dies ist feige, aber es ist nicht bewiesen, dass die Mutigen die Welt retten und die weniger Mutigen lediglich davon partizipieren.

Anders ausgedrückt, jeder Mensch kann sich seine Kreise aussuchen.

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