Begegnung mit Sokrates

von A.P.

Die Isar ist Münchens Naherholungsgebiet und an sonnigen Tagen geht es dort zu, wie auf Mallorca, allerdings weniger Ballermann und Jürgen Drews lässt sich, dem Herrgott sei gedankt, ebenfalls nicht blicken, dafür aber Flschensammler.

Wir kennen sie, häufig gehen sie geknickt, aus Scham und wer könnte ihnen den Gang übel nehmen, schließlich befinden sie sich in unserer Gesellschaft auf einer der niedrigsten Stufen der Leiter. Ich habe Mitgefühl, aber auch eine gewisse Schwellenangst den Menschen entgegen zu kommen.

Dies war anders, als Sokrates auftauchte. Sokrates hatte einen langen verfilzen Bart, schon recht grau mit gelblichen Verfärbungen. Er war und das sah man auf den ersten Blick guter Dinge. Aha, vermutlich alkoholisiert, was durchaus ins Klischee passen würde, aber Sokrates schien von Natur aus ein gute Portion mitzubringen.

Er lachte verschmitzt „habts Flaschen“. Nein nicht die, Pfandflaschen meine er.

An einem Grillabend im Sommer mangelt es nicht an leeren Getränkeflaschen. Wir waren entzückt, dass sich jemand der Sache annahm, denn die Entsorgung der Flaschen ist nach einem heißen Tag wahrlich keine angenehme Beschäftigung. Sokrates füllte seinen Plastiksack mit dem kostbaren Leergut und bevor er ging, hob er seinen Zeigefinger und brachte uns mit einem Zitat von Wittgenstein zum Lachen.

Danke, Sokrates. Den Platz neben uns räumte er auch gleich sauber und so hatte er binnen 5 Minuten gute Beute gemacht. Viele Menschen, die regelmäßig an der Isar sind kennen Sokrates. Wenn sie ihn sehen, rufen sie ihn her, hey Sokrates, hast du eine gute Zeile für uns.

Meistens hat er das richtige Zitat für den Moment, obwohl es auch sein kann, dass er bereits genug geschuftet hat, dann nährt er uns zwar auch mit philosophischem Wissen, doch die Flaschen lässt er liegen, denn Sokrates hortet nicht und wenn das Kleingeld gerade reicht, werden keine Überstunden gemacht.

Diese Begegnung hat mich bereichert. Wie einfach Wirtschaft und Leben sein kann.

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