Her mit dem Volksklo

von A.P.

Alles fließt, behauptete der griechische Philosoph Heraklit. Was aber, wenn weder abgelegene Bäume, noch üppige Schneelandschaften oder Parklücken das Abfließen ermöglichen? #Trauma #Biz

Den Zustand kennt jeder, Du musst pinkeln und es kein Klo in Reichweite. In Niederbayern, wo mit menschlichen Bedürfnissen noch normal umgegangen wird ist dies kein Problem, aber in München kann es dich in die Verzweiflung treiben.

Natürlich gibt es die Möglichkeit in Restaurants, oder andernorts das WC zu benutzen, allerdings ist dies alles andere als erwünscht. Zu Stosszeiten, während des Oktoberfestes werden die Anlagen sogar von der Security bewacht. Und mit Glatzköpfen in schwarzen Uniform fällt die gepflegte Konversation manchmal schwer, zudem lässt der Druck oft keinen klaren Gedanken zu. Was also tun?

Neulich bestellte ich in einem SB Cafe ein heißes koffeinhaltiges Getränk und meine Blase meldete sich gleich ganz spontan. Nur war mir nicht bekannt, dass SB Bäckereien mit angeschlossenem Cafe kein stilles Örtchen haben. Zefix!

Die Rettung – schräg gegenüber, ein Restaurant. „Na, Ausnahmsweise“, mahnte mich der Angestellte. Ausnahmsweise durfte ich meine Blase entleeren, obwohl mir plötzlich gar nicht mehr danach war. Ich war angewidert, von diesem asozialen Verhalten.

Es ist schon erstaunlich, dass unsere moderne Gesellschaft weder Wasser, noch Klos kostenlos zur Verfügung stellt. Ich erinnere mich, als ich durch den Balkan reiste, fand ich an den unmöglichsten Plätzen einen Brunnen und den Rest erledigte man relativ ungeniert – was ist auch groß dabei?

In den sogenannten zivilisierten Ländern ist dies anders: du musst ein Geschäft aufsuchen, etwas bestellen, und dann darfst du deine Notdurft verrichten, und falls vor der Toilette eine Frau mit einem kleinen Teller mit Münzen auf einen zusätzlichen Obulus wartet, kannst du dieses Verhalten zwar ignorieren, aber es wird dich definitiv als Geizkragen entlarven. Dabei will ich nur pinkeln.

Natürlich gibt es in Deutschland öffentliche Toiletten, nur leider niemals dort, wo dich gerade der Drang übermannt. Weshalb dies so ist, weiß ich nicht und Heraklit, der so ziemlich auf alles eine Antwort hatte, ist seit langem tot.

Ein Initiative Volksklo müsste her. Es gibt genügend öffentliche Flächen, die sich eignen würden. Stell dir vor alle 500 Meter gibt es ein öffentliches Örtchen, wo wir ganz kontemplativ dem Werdegang der Dinge lauschen könnten? Ach wäre das herrlich; Gott – wie befreiend.

Das würde sogar Arbeitsplätze schaffen: das angegliederte Kiosk kostenlos an einen Arbeitslosen oder Hartz IV Empfänger vermieten, der sich dafür um die Anlage kümmert. Würde ich solch einen Job machen? Klar, wenn ich bedenke, wieviele Menschen ich dabei glücklich machen würde. Warum nicht. Her mit dem Volksklo, denn Strahl der Glücksseeligkeit muss fließen und ich bin garantiert dabei.

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