Neues Leistungsschutzrecht

von A.P.

Gesetze dienen häufig nicht dem Allgemeinwohl, sondern einer Minderheit. Das neue Leistungsschutzrecht kaschiert die Realität, denn es schützt Rechteinhaber auf Kosten der Demokratie. Zudem wird die Informationsfreiheit stark eingeschränkt. Die Nachrichten, die wir lesen möchten finden wir über die Suchmaschinen und dass ein kommerzieller Anbieter wie  Google einen Logarithmus entwickelt hat, der uns das finden lässt, was wir suchen, ist zunächst mal gut – für die Gesellschaft.

Den omnipotenten Verlagen in Deutschland geht es jedoch nicht um freien Informationszugang, sondern um Profit. Gerade jetzt, wo sie finanziell angeschlagen sind und vielen die Pleite droht, wie kürzlich der Frankfurter Rundschau. Zudem beschäftigen sie ohnehin eine Schar von Juristen im eigenen Verlagshaus, die auch ab und an was für ihr Gehalt tun sollen.

Was mich bei der Debatte stört, ist der starre Gesichtspunkt der Regierung, die, wie in Frankreich als Schlichterin einspringen soll. Entweder pro Google, oder für das deutsche Verlagswesen. Meines Erachtens gäbe es eine ganz einfache Möglichkeit den Streit zu beenden und alle Beteiligten zu ihrem Recht zu verhelfen.

Die Rechte der Autoren und Journalisten müssten ausgebaut werden. Jedem Schöpfer einer Information könnte das Recht eingeräumt werden, sein Werk auf einem persönlichen nicht kommerziellen Blog ebenfalls zu veröffentlichen, auch wenn er im Dienst eines Verlages, respektive Unternehmens steht, denn der Autor ist der Urheber, auch wenn er seine Rechte mehr oder weniger durch Gehaltsempfang oder Tantiemen abgetreten hat.

Dies hätte für die Suchmaschinenanbieter den Vorteil, dass sie nicht mehr die Websites der Rechteverwalter, der Verlage also, durchforsten müsste, sondern die Autorenblogs als Quellen wählt. Verlage bekämen dann endlich wieder, das was ihnen zusteht, nämlich Besucher- und Suchmaschinenfreie Seiten, wo die Abonnenten ihre Sudukos lösen können. Für uns würde sich hingegen wenig ändern. Wir kämen weiterhin zu unseren Informationen, die uns zustehen, allerdings müssten wir nun mit werbefreien Autorenblogs vorlieb nehmen – womit die meisten von uns durchaus leben können, denke ich.

Was die Autoren betrifft: Endlich würden ihre zum Teil herausragenden Leistungen für die Gesellschaft zum Tragen kommen, denn wenn wir achten und schätzen die Verlage, die uns mit brauchbaren Informationen versorgen, aber leider tritt die Leistung des Menschen, dem der eigentliche Dank gebührt in den Hintergrund.

Michael Jackson ist uns ein Begriff, aber mit Sony Music können die wenigsten etwas anfangen. Zu Recht.

Eine emanzipierte Gesellschaft braucht keine Mittler mehr. Weder beim Immobilienkauf, noch bei der Informationsübermittlung. Es wäre ein Paukenschlag, zunächst die Verlage aus ihrer Verantwortung zu befreien, um im nächsten Schritt auch Suchmaschinenanbieter wie Google überflüssig zu machen. Die Information kann direkt vom Urheber zum Konsumenten fließen und das ist auch die große Herausforderung des Web 3.0

Die technischen Möglichkeiten hierzu sind längst vorhanden und ich bin optimistisch, dass dies in sehr absehbarer Zeit umgesetzt wird. Moderne und vor allem flexible Unternehmen wie Google sind permanent im Umbruch und auf der Suche nach neuen Betätigungsfeldern, anders als das deutsche Verlagswesen, das scheinbar einer Illusion folgt.

Ich habe vor ca. 6 Jahren meine letzte Zeitung gekauft und daran wird sich auch in Zukunft höchstwahrscheinlich nichts ändern. Stellt Euch schon mal drauf ein.

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