Ströbele in Moskau

von A.P.

Ströbele

Foto: Ströbele – Im Dienst der Demokratie  | Quelle: Wikipedia | Lizenz: CC BY SA 2.0 DE

CHAPEAU. Meine Verbeugung. Meine Hochachtung. Es gibt sie tatsächlich. Politiker, die nicht nur reden, sondern das Heft in die Hand nehmen, um die Demokratie im Großen, oder die Welt im Kleinen zu retten.

Es könnte ein, oder vielmehr sein ganz großer Wurf werden. Während Snowdens Rechtsanwalt gestern noch verkündete, dass der Whistleblower für keinerlei Auskünfte zur Verfügung steht, machte Ströbele sich mit ein paar hochkarätigen Journalisten der Süddeutschen Zeitung und des ARD-Magazins „Panorama“ auf den Weg nach Moskau.

War der Coup von langer Hand vorbereitet? Es scheint so. Das nichts davon an die Öffentlichkeit kam zeugt von Professionalität und Unbestechlichkeit aller Beteiligten. Somit haben sie jetzt schon viel für die Demokratie getan, denn die Botschaft lautet. Die Politik kann, wenn sie mutige Akteure hat, die ein breites Kreuz für Bürgerrechte und die nötigen Eier haben, um zu tun, was getan werden muss.

Snowden wisse sehr viel, gab Ströbele gestern bekannt. Eines der wenigen Details, die aus dem gestrigen Coup bekannt wurden. Die Vermutung liegt nahe, dass der ehemalige Geheimdienstmitarbeiter nicht nur informiert ist welche Politiker abgehört wurden, sondern auch Inhalte kennt. Zumindest liegen ihm Profile oder Dossiers vor, die die NSA regelmäßig erstellt, um den amerikanischen Politikern auf die Sprünge zu helfen. Wer ißt in Deutschland gerne Gemüse und welche Parteien sind linientreu?

Warum Snowden sich für Ströbele entschied ist bisher nicht bekannt. Aber es zeugt von Stil, der regierenden Partei, samt der großen Koalition den Rücken zu kehren und stattdessen mit dem Altgrünen das Gespräch zu suchen. Ströbele gehört nicht zu den Wendehälsen und Quacksalbern, von denen Deutschland mit ihrem verlogenen Politsprech erdrückt wird.

Ströbele spielt, wenn ich den Blick über die politische Landschaft schweifen lasse, in einer eigenen Liga. Sein Engagement und seine Geradlinigkeit sind der Beweis, dass es sich lohnt den Glauben an das Gute in der Politik nicht zu verlieren.

Er hat sich mit dieser Glanzleistung ein Denkmal gesetzt. Dies gönne ich ihm, und ich hoffe, dass die denkmalfeindlichen Genossen seiner Partei keine Gründe finden, um sein aktuelles Werk zu beschmutzen.

Deutschland braucht mehr Ströbeles, wobei ich aktuell auch schon für den Einen, sehr, sehr dankbar bin. Je oller, je doller – gilt scheinbar auch in der Politik.

[Antonymus // CC BY SA 2.0 DE]

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