Hetze gegen Hoeneß – das Urteil vor dem Prozess

von A.P.

Uli Hoeneß

Foto: Uli Hoeneß | Quelle: Wikipedia | Autor: Александр Корчик

Hängt ihn, hieß die Forderung der Bevölkerung bei Pferdedieben im wilden Westen. Solange es noch Bäume gibt, würde Mehmet Scholl vielleicht noch schelmisch hinzufügen, obwohl es schwerfällt bei dieser Debatte nach Humor zu greifen, denn die Anklage ist zu ernst, als dass sie sich für Späßchen und Scherze eignet.

Hoeneß steht zurecht am öffentlichen Pranger. Er hat wenige Möglichkeiten ausgelassen laut zu poltern und seinen Gegnern Schmerz zuzufügen. Er war stets bemüht dort hinzutreten, wo es richtig weh tat, in die Weichteile der Kontrahenten und wenn sie sich wehrten wurde nochmal nachgetreten. Das Motto, immer feste drauf, diente  hauptsächlich seinem Verein, dem FC Bayern und weniger der Person Hoeneß.

Dies ist in der aktuellen Debatte jedoch zweitrangig. Endlich! Wie lange hatte es gedauert, bis ihm Journalisten zurückzahlen konnten, was ihnen schon Jahrzehnte unter den Fingernägeln brannte? Nun ist der Zeitpunkt endlich gekommen. Die Gerechtigkeit dem Geduldigen, der ausharrte bis zum Jahr 2013, der Selbstanzeige des FC Bayern Managers wegen Steuerhinterziehung.

Es wird aus allen Gazetten geschossen, dass man sich dankbar wägen muss, nicht in der Nähe des Geschehens zu weilen. Querschläger sind dabei weitaus gefährlicher und somit steht der Verein unter Spannung und die Verantwortlichen können nur hoffen, dass dieses Sturmfeuer irgendwann aufhört. Dabei wäre es so einfach, sich diesem Ansturm zu entziehen. Uli Hoeneß mag mächtig sein, aber für die Allmacht reicht es nicht, auch nicht beim FC Bayern.

Die Trittbrettfahrer der gegnerischen Vereine, gleich ob Fans oder Führung kommen, wie die anderen Gepeinigten endlich auch auf ihre Kosten. Hat Hoeneß ihnen doch die Laune so häufig genommen und die Pokale vor der Nase weggeschnappt; nun ist endlich payback time. Auf in den Kampf und immer feste drauf, so wie Hoeneß es jahrzehntelang vormachte.

Den Menschen Hoeneß von dem Verein zu trennen ist im Grunde unmöglich. Uli Hoeneß ist die rot-weiße Manifestation; der FC Bayern denkt Hoeneß, der FC Bayern spielt Hoeneß, der FC Bayern ist Hoeneß. Dies wissen natürlich sämtliche Akteure, die nun die Keule schwingen. Es reicht nicht, dass Herr Hoeneß sich vor dem Gericht verantworten muss, denn ein inhaftierter Hoeneß, gleich für welchen Zeitraum er die Freiheit entzogen bekäme, befriedigt die Gegner nicht.

Sie wollen mehr, denn es ist scheinbar schwierig diese Erfolgsgeschichte des Fußballs zu ertragen. So ist das eben in Deutschland. Erfolgreiche Menschen stehen immer am Abgrund und die Meute dahinter wartet geduldig auf den Tag, an dem sie ihren verhassten Schützling endlich den Abhang hinunter stoßen können. Hängt ihn!

Ziel des Shitstorms ist, Hoeneß vom Verein zu trennen. Dies ist das ultimative Ziel. Eine Haftstrafe wäre lediglich ein Bonbon für erlittene Demütigungen. Nur die Abkopplung des FC Bayern von seinem Erfinder ist die angemessene Strafe. Dann wäre das Werk und die Person Hoeneß endlich zerstört. Von der Zehe bis zur Haarwurzel. Die Demontage des Schwaben in seine Bestandteile.

Als Fan und als Mensch habe ich kein Mitleid, lediglich Mitgefühl. Der Preis der Macht und des Erfolges sind immer hoch. Dies wissen Menschen vom Schlage Hoeneß. Es wird ihn nicht wundern, was das Publikum fordert, aber er darf überrascht sein mit welcher Vehemenz sein Kopf gefordert wird, denn diese Entwicklung ist seit es die sozialen Medien gibt noch beängstigender geworden.

Rationale Argumente gehen in der Causa Hoeneß mittlerweile vollkommen unter. Was hat es die Leute zu interessieren, wie der FC Bayern mit seinem Personal verfährt? Es werden Parallelen zum Fall des Limburger Bischofs deutlich, wo die aufgebrachte Masse überall Forderungen stellt, um eine seltsame Lust zu befriedigen? Auch hier liegt es an der katholischen Kirche, wie sie damit umgeht und der Rest wird vom Gericht geklärt. Wenn die Gläubigen der Kirche den Rücken kehren, weil sie die Entscheidung der Kirche nicht akzeptiert: bitte, Reisende soll man nicht aufhalten.

Aber die Henker werden sich irgendwann die Frage stellen müssen, ob sie um so vieles besser sind, als diejenigen, die sie zum Teufel jagen? Auch die gläubigen Fans stehen vor wichtigen Fragen, wobei sich viele wie Liebende verhalten. Sie wissen von ihrer Fehlbarkeit. Sie wissen auch von der Fehlbarkeit ihrer Geliebten. Deshalb stehen sie in guten wie in schlechten Zeiten zu ihrem Verein, dem FC Hoeneß.

Die Henker belächeln dieses Verhalten. Gnade und Vergebung kommt in ihrem Vokabular scheinbar nicht vor. Die Befriedigung des aktuell primären Bedürfnisses geht vor.  Ob die Verantwortlichen wissen, was es bedeutet den Volkszorn zu schüren?

[Antonymus // CC BY SA 2.0 DE]

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