Glauben, ohne Adressat

von A.P.

Glauben

Glauben

Den einen Moment, der für meinen Glauben ausschlaggebend war, in der Vergangenheit zu suchen ist möglich, jedoch mühselig und im Grunde trägt er nicht viel zur Sache bei. Ein Moment eben. Einer von Vielen und erst in der Gesamtheit ergibt sich ein Bild, meinetwegen auch Sinn.

Um es vorwegzunehmen, ich bin gläubig. Ein gläubiger Mensch ohne weitere nennenswerte Eigenschaften. Ich glaube weder an den Papst, noch an seine Kirche und obwohl mir die anderen Buchreligionen nicht fremd sind und ich im Orient lebe, und den Islam, wie auch andere Glaubensrichtungen achte, bin ich bestenfalls über deren Inhalte amüsiert. Doch langsam, ich möchte nicht arrogant sein, oder gar eine neue Religion verkünden. Nein, ganz gewiss nicht.

Mein Versuch etwas zu erklären, das permanent in aller Munde ist, das grassiert und über die Wiesen hoppelt, ohne sich richtig im Erdreich zu festigen ist ein egoistischer Versuch Gott und Welt zu erklären. Nicht mehr, doch vermutlich ausreichend. Heute. Einen Tag vor Heiligabend. Na, denn.

„Es liegt einzig und allein an der Präposition“, sagst du?

Ja, genau das, sage ich.

Der „Glaube an“ etwas ist irreführend, denn das Subjekt benötigt ein Objekt. Doch wozu braucht der Gläubige ein Gegenüber? Einen Gott? Eine Religion? Gar einen Menschen, Guru, Yogi oder Heiligen? Lassen wir die Präposition weg, kommen wir dem Himmel näher, wobei auch dieser nur stellvertretend ist, für etwas, das keinen Namen braucht.

Glaube ist eine Gewissheit, ein tief verankertes Vertrauen. Und auch hier ist es unnötig eine Verbindung zu etwas zu suchen. Vertrauen kann für sich stehen, wie auch der Glaube, die Liebe und die Hoffnung.

Diese drei theologischen Tugenden sind keine Handlungsvorschriften, sondern eine innere Einstellung. Der Glaube steht wie auch die Liebe und die Hoffnung für sich. Es ist sogar irreführend an etwas zu glauben, denn dies impliziert, dass ich an etwas anderes nicht glaube. Hierauf fußen meiner Meinung auch die religiösen Tragödien, die als Kriege die Welt erschüttern.

Über die Liebe wird am heftigsten debattiert. Die Ehe oder Partnerschaft gilt als Synonym. Und hier wird der Irrglaube am Deutlichsten, denn solange Liebe an einen Menschen gekoppelt ist, bleibt sie brüchig, oder der Mensch, der diese Terminologie benutzt betrügt sich selbst. Denn auch die Liebe ist immer und überall vorhanden. Wir sehen oder fühlen sie nur nicht immer und überall. Die Kopplung an einen Menschen ist genauso absurd, wie der Hang zu Geld, oder Dingen, die nicht wirklich zum Glück beitragen.

Diametral finden wir den Zweifel. Unser Verstand versucht uns die Liebe ein- bzw. auszureden, je nachdem in welcher Phase des Lebens wir uns befinden. Er sucht Argumente, die für oder gegen etwas stimmen. Der Zweifel versucht uns wie ein hartnäckiger Teufel auf eine Fährte zu locken. Die Bilder aus den Buchreligionen sind bekannt und hierfür schätzte ich die Bibel beispielsweise. Aber sie ist sonst eine schlechte Beraterin, wenn es um Glaubensfragen geht.

Wer an die universelle Liebe glaubt, muss sie nicht immer und überall spüren, denn solch ein Perfektionismus ist kontraproduktiv. Begnügen wir uns doch einfach damit, dass sie gelegentlich „da“ ist. Sie braucht keine schöne Blume, oder sonst was, um sich zu entfalten. Manchmal spürt man sie auch mit geschlossenen Augen, inaktivem Verstand und ansonsten auch völlig leerem Moment.

Meine Hoffnung ist dazu da, dass sich diese Momente häufen, dass das Leben dichter wird, bis vielleicht irgendwann die Präsenz der Liebe alles andere nebensächlich erscheinen lässt. Der Glaube vermittelt mir diese Gewissheit.

Abschließend möchte ich noch erwähnen, wie ein Dialog innerhalb des Glaubens stattfinden kann. Dazu genügt ein kleines unscheinbares DANKE. Die Danksagung ist das wichtigste Vehikel um den Glauben zu manifestieren. Und nur so am Rande: was als Feedback zurückkommt ist Gott 😉

[Antonymus // CC BY SA 2.0 DE]

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