Hoffnung für die Zukunft – Frauen in der Türkei

von A.P.

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Frauenpower in der Türkei

Der Westen, sowie auch ein Großteil der türkischen Bevölkerung machen die türkische Wirtschaftspolitik für den Aufschwung in der Türkei verantwortlich, dabei sind es hauptsächlich die Frauen, die das Land in Fahrt brachten und modernisierten. Eine polemische Beobachtung.

Andere Länder, andere Sitten. Aber es geht an die Substanz, wenn nach 14 Monaten der Telefonanschluss immernoch nicht richtig funktioniert. Die Herren Techniker, sowie das Management der Türk Telekom in Milas werden sich selbstverständlich darum kümmern – ist doch klar. Bei solcher Selbstverständlichkeit passiert in der Türkei häufig erst mal nichts, denn die Herren haben häufig leider eine große Klappe, aber wenn es ans TUN geht, müssen die Frauen ran: in 20 Minuten war der „Kas‘ bissen“, wie wir in der Türkei zu sagen pflegen, als Hulya das 14-Monate andauernde Problem bearbeitete.  Ein Einzelfall? Gewiß nicht.

Ein Blick zum Nachbar in den Garten genügt: die Frau schuftet, während der Göttergatte mit seinem Gebetskettchen spielt und kluge Ratschläge verteilt, was widerum keinen interessiert, außer vielleicht den Nachwuchs, der den Worthülsen des Patrons noch glauben schenkt; Frauen nehmen Männer häufig -zurecht- ohnehin nicht ernst, nicht nur in der Türkei, aber dort umso berechtigter.

In ländlichen Gebieten kann man beobachten, dass Pascha auf dem Esel sitzt, während Aischa nebenherläuft. Aber Aischa hat schließlich mehr Übung, ist gut durch trainiert, denn auf dem Acker hat sie mit den Geräten hantiert, während Pascha die Wasserzufuhr für die Felder regelte. Ganz selbstständig hat er dies gemacht. Bravo. Und wie stolz er dabei aussah?!

Die Arbeitsteilung der Familie Yilmaz geht uns aber nichts an. Anders verhällt es sich jedoch auf Behörden, denn dort werden wir mit dem Gockelgehabe direkt konfrontiert. Pech für uns, dass Pascha dort alleine sitzt, ohne seine Frau, die unser Anliegen in Windeseile wuppen würde; oder vielleicht nicht in Windeseile, aber zumindest in einem überschaubaren Zeitfenster.

Solche Beobachtungen kann man in der ganzen Türkei machen und nach zahlreichen Gesprächen (auch mit Männern), muss es auch mal offen ausgesprochen werden: der traditionell-festgefahrene Mann ist in der Türkei die größte Gefahr für die Wirtschaftsentwicklung. Für die Gesellschaft ist er es ohnehin.

Der Gockel hat in Zeiten der künstlichen Befruchtung ausgedient.

Unternehmen haben längst erkannt, dass sie vermehrt Frauen an die Servicefront bringen müssen, sofern sie mit dem Westen mithalten wollen. Aber auch der türkische Kunde, und hier vor allem die Kundinnen, lassen sich mit selbstgefälligem Geschwätz nicht mehr einfach so abwimmeln.

Heutzutage fordern sie ihre Rechte ein, vor Gericht, wie auch im Supermarkt. Kuschen war einst. Das neue Selbstbewußtsein beschränkt die Macht der Fauen nicht mehr nur auf Haus und Hof, sondern sie übernehmen allmählich, und recht unauffällig die Regentschaft in Unternehmen, zwar noch nicht auf Augenhöhe mit Pascha, aber letzterer hat begriffen, dass Frauen in vielen Bereichen mittlerweile die tragenden Fundamente sind.

Es sind die Frauen, die den Männern zeigen, dass Obrigkeit auch etwas mit Hilflosigkeit zu tun hat. Es ist geradezu grotesk, wie der Gockel sich einem höher gestellten Gockel gegenüber verhällt. Die Frauen helfen den Männern sich von ihrem Joch zu befreien. Von der Frauenpower werden in großem Maße Männer profitieren.

Die Türkei verdankt den Aufschwung den Frauen, und nicht etwa einer Partei. Möge ihnen Allah zur Seite stehen, wenn sie dem Orient ein neues, professionelles und liberaleres Image verpassen, während Pascha von all dem nichts mitbekommt, da er selbstverliebt mit seinem Spiegelbild beschäftigt ist. Umso klüger der Gockel, desto schneller räumt er seiner Frau den Weg frei.

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