Piraten Watch

von A.P.

Anfangs habe ich die Piraten Partei belächelt. Allein schon der Name… Kinder, Kinder?! Allmählich bekommen die Mädelz und Jungz ein Profil, was zur Folge hatte, dass ich ich mein Wochenende diesem chaotischen Haufen gewidmet habe, anstatt in der Kirche Meßmein zu trinken, oder überfällige Backups anzulegen. Wenn sich das mal nicht rächt.

Es war abzusehen, dass die Piraten im Internet gut positioniert sind und da sich die Partei rasant entwickelt müssen wir die Baustellen und Sackgassen mit zwinkerndem Auge – gut Ding braucht Weile- hinnehmen. An allen Enden wird gebaut und erweitert und nach wenigen Klicks hörte ich Piraten Radio, was allerdings stink langweilig war, denn an einem Montag möchte ich mich nicht mit dem Urheberrecht rumplagen, denn dies ist zu nahe an meinem normalen Arbeitstag.

Zwei Klicks zurück und da wären wir wieder, bei der Bundespartei. Schlicht besticht und die Macher der Website unterstelle ich Fachwissen, denn die Benutzerführung des Webauftrittes ist super gut gelungen: Politik, Partei, Mitmachen, Presse. Punkt. Die Navigationen beruhigt mich.

Erst auf den zweiten Blick sehe ich in der rechten Spalte, die Themen, die mich wirklich interessieren: „informiere Dich“, „unterstütze uns“ und schließlich „werde Pirat“. Beim letzten Button muss ich mich zurück halten, denn es ist zu verlockend den einstigen Kinder- und Jugendtraum wahr werden zu lassen. Ich denke zurück an die Zeit, als ich mich zu Fasching noch verkleidete. Lustig war das und in welchem Alter trug ich solch ein Kostüm?

Es muss lange her sein, aber das Kind im Manne scheint nach wie vor aktiv zu sein… warte noch ein wenig, sage ich mir, und blättere mich derweil durch die gut strukturierten Piratenseiten.

Was mich auf Anhieb fasziniert: es gibt mittlerweile in 45 Ländern Piraten Parteien. Wenn die allesamt so gut vernetzt sind, wie der deutsche Ableger, können die etablierten Parteien, allen voran die Grünen, sich schon mal zu einem lauten „Vater unser“ einstimmen. Wer die Grünen nicht kennt: das ist die ehemalige Antikriegs Partei, der wir zu verdanken haben, dass deutsche Soldaten wieder im Ausland Krieg führen.

Ich gestehe: in meinem langen Leben trug mich der Zufall niemals an eine Wahlurne. Intuitiv spürte ich schon als Jugendlicher, dass die etablierten Parteien „zuviel Dreck am Stecken“ hatten, als dass ich meine Zeit für dieses Gesindel opfern wollte. Bei den Grünen war ich mir lange nicht schlüssig, denn die Themen sind einfach wichtig, wenn wir nicht in absehbarer Zeit unseren Planeten in die Tonne kloppen wollen, aber die Macher waren mir auch hier suspekt. Zu Recht, wie sich mittlerweile herausstellte.

Und nun? Nach einem Parteilosen Leben, kurz vor der Rente, nun doch auf diesen Zug aufspringen? Und Pirat werden? Ich weiß nicht… aber den Termin auf den Landes- und Bundesparteitag habe ich mir vorgemerkt.

Mein Bauch hat sich bereits entschieden.

Nachtrag: Habe meine erste Petition unterschrieben:

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